Nach einer Vergewaltigung

Wenn Sie direkt nach einer Vergewaltigung Anzeige erstatten, wird die Polizei Sie in eine Krankenhausambulanz bringen. Sie werden dort medizinisch versorgt, Ihre Verletzungen werden behandelt. Mit einer gynäkologischen Untersuchung werden vorhandene Befunde wie Sperma, Speichel etc. gesichert. Der Untersuchungsbericht wird der Ermittlungsakte beigefügt werden und unterliegt nicht der gewohnten ärztlichen Schweigepflicht. Ausführliche Informationen über die Strafanzeige finden Sie unter juristische Informationen.

Weitere ausführliche Informationen (über den Ablauf der Untersuchung, über evtl. Kosten, etc.)  erhalten Sie unter www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de

Wenn Sie keine Anzeige erstattet haben / erstatten wollen

Eine medizinische Untersuchung nach einer Vergewaltigung können Sie bei jeder Frauenärztin durchführen lassen (z.B. zur Vorsorge vor Infektionen, Geschlechtskrankheiten).

Keine Ärztin / kein Arzt darf Sie zu einer Anzeige zwingen.
Es ist allein Ihre Entscheidung.

Befundsicherung nach sexueller Gewalt ohne vorherige Anzeige

Befunde können bei niedergelassenen Gynäkologinnen/Gynäkologen in der Regel nicht sichergestellt werden, da in den Praxen, die dafür notwendige Ausrüstung und Aufbewahrungsmöglichkeiten fehlen. Einige hessische Krankenhäuser bieten mittlerweile eine sorgfältige Untersuchung und (reduzierte) Befundsicherung nach Vergewaltigung auch ohne vorherige Anzeige an. Ziel ist es, körperliche Verletzungen und Folgeerkrankungen frühzeitig und fürsorglich zu behandeln und eine mögliche spätere Entscheidung für eine Anzeigeerstattung zu unterstützen.

In Frankfurt und Fulda haben Sie seit 2010 die Möglichkeit, eine Befundsicherung auch ohne vorherige Anzeige in Anspruch zu nehmen.

Weitere ausführliche Informationen erhalten Sie für Frankfurt unter www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de/Home.143.0.html

für Fulda auf den Seiten der Schutzambulanz Fulda.

Prävention einer möglichen Infektion mit HIV

  • Wenn der/die Täter Ihnen fremde Personen sind oder zu einem Personenkreis gehören, die mit einer größeren Wahrscheinlichkeit HIV-positiv sein könnten (z.B. Drogenabhängige) oder
  • wenn Sie aufgrund von Beeinträchtigungen durch Drogen, Alkohol oder sogenannten KO-Tropfen keine oder nur bruchstückhafte Erinnerungen haben

kann die Überprüfung, ob eine HIV-Präventionsmaßnahme verabreicht werden sollte, sinnvoll sein. Zur Abklärung einer Gabe von HIV-PEP zur Verhinderung einer HIV-Infizierung müssen Sie so schnell wie möglich eine spezialisierte Ambulanz oder Schwerpunktpraxis aufsuchen oder Ihren Arzt/ Ihre Ärztin bitten, eine solche Abklärung mit einer Infektiologin/einem Infektiologen zu vermitteln. Weitere Informationen finden Sie unter www.frauennotruf-frankfurt (siehe dort: Ärztliche Dokumentation).

HIV-Infektion

Wenn Sie befürchten, in Folge einer Vergewaltigung HIV-infiziert zu sein, können Sie bei jeder ÄrztIn ihrer Wahl einen Aids-Test machen lassen. Sie können sich auch an die AIDS- Hilfen vor Ort wenden, die in der Regel anonyme und kostengünstige Tests anbieten (www.aidshilfe.de - bietet weitere Informationen im Web.)

Der Beweis, dass die HIV-Infektion die Folge der Vergewaltigung ist, ist schwer zu erbringen, aber aufgrund neuerer Untersuchungsmethoden (Stichwort Erregertypisierung) nicht unmöglich.

Viele Frauen erleben die Auseinandersetzung mit einer befürchteten HIV-Infektion nach einer Vergewaltigung als sehr belastend. Bleiben Sie damit nicht allein. Sprechen Sie uns oder die Aids-Hilfen vor Ort an.

„Pille danach“

Besteht aufgrund einer Vergewaltigung die Möglichkeit einer ungewollten Schwangerschaft, so können Sie je nach Präparat bis zu 72 Stunden, zum Teil auch bis zu 120 Stunden, nach der Tat die „Pille danach“ nehmen.
Die Pille danach kann Sie vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen, je früher Sie sie einnehmen, desto sicherer die Wirkung. Der Eisprung wird verhindert oder verzögert.

Wenn Sie innerhalb von 72 Stunden eine Apotheke aufsuchen, erhalten Sie die Pille danach dort rezeptfrei (auch nachts und am Wochenende). Nach Ablauf von 72 Stunden kann ein anderes Präparat von Ihrer Frauenärztin/-arzt oder Notarzt/-ärztin verschrieben werden.

Sind Sie unter 20 Jahren erhalten sie die Pille danach kostenlos, wenn Sie ein Rezept vorlegen.
Bei Minderjährigen: Die „Pille danach“ ist ein Verhütungsmittel und darf daher ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten an Minderjährige gegeben werden. Für unter Vierzehnjährige ist dies nicht möglich.

Ungewollte Schwangerschaft

Im Falle des Eintretens einer Schwangerschaft kann bis zur neunten Schwangerschaftswoche (nach der letzten Periode) ein medikamentös induzierter Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne® erfolgen. Die Verordnung erfolgt über dafür zugelassene niedergelassene Gynäkologinnen/Gynäkologen.

Ist eine Schwangerschaft eingetreten, können Sie mit einer kriminologischen Indikation einer Ärztin/eines Arztes einen gesetzlich erlaubten Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche nach Eintritt der Schwangerschaft durchführen (siehe auch: www.profa.de).

Die Notrufe vermitteln Ärztinnen/Ärzte, Kliniken, Therapeutinnen/Therapeuten vor Ort.

Nach Körperverletzung/Misshandlung

Ärztliches Attest nach einer Körperverletzung/Misshandlung

Sie können sich bei Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer Ärztin / einem Arzt Ihres Vertrauens ein Attest über die Folgen der Gewaltanwendung ausstellen lassen (Schmerzen, Blutergüsse, Knochenbrüche, Würgemale, sonstige Verletzungen). Dieses Attest ist ein wichtiger Beweis vor Gericht.

Lassen Sie Ihre Verletzungen sobald wie möglich von einer Polizeibeamtin oder einer Freundin fotografieren, geben Sie die Fotos und das Attest an die Polizei weiter.

Sie müssen evtl. die Kosten für das Attest, aber nicht für die Untersuchung und die Behandlung Ihrer Verletzungen tragen. Ein aussagekräftiges Attest kann Ihre Chancen bei einer Anzeige und bei zivilrechtlichen Vorgehensweisen erhöhen und auch Ihre Ansprüche bei möglichen gesundheitlichen Spätfolgen sichern.

Einen Dokumentationsbogen/ein Attestformular für diese Verletzungen haben wir hier bereitgestellt: Dokumentationsbogen (PDF, 465 KB).

Vielleicht möchten Sie zunächst keine Anzeige erstatten. Ein ärztliches Attest erhöht Ihre Chancen auch zu einem späteren Zeitpunkt gegen den Gewalttäter vorzugehen, vorausgesetzt, die Verjährungsfrist ist noch nicht abgelaufen. Zudem belegt ein Attest über länger zurückliegende Verletzungen, dass es sich nicht um einmalige Gewalttätigkeiten handelt.

Keine Ärztin/ kein Arzt kann Sie zu einer Anzeige zwingen. Es ist allein Ihre Entscheidung.

Die Frauennotrufe vermitteln Ärztinnen und Ärzte,
Kliniken, Therapeutinnen und Therapeuten vor Ort.

Therapie

Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Mädchen und Frauen nach der Klärung der dringendsten Fragen (juristisch, medizinisch, Schutz und Sicherheit) zunächst versuchen, mit dem Geschehen alleine klar zu kommen.

Das ist verständlich.

Sollten Sie jedoch zu einem späteren Zeitpunkt (dieser kann Wochen, Monate, Jahre nach der Gewalttat liegen)

  • an das Geschehen erinnert werden und nicht zur Ruhe kommen,
  • feststellen, dass körperliche oder psychische Symptome entstanden sind, die ihr Leben beeinträchtigen,
  • neue oder alte Fragen auftauchen, auf die Sie eine Antwort suchen etc.

zögern Sie nicht, sich zu diesem Zeitpunkt Unterstützung zu holen.

In persönlichen oder telefonischen Beratungsgesprächen können Sie mit den Mitarbeiterinnen der Frauennotrufe Ihre Fragen und Probleme besprechen und klären, ob Sie z.B. eine längerfristige Bewältigung in einer ambulanten oder stationären Therapie beginnen möchten.

Wir informieren auf Wunsch über Therapieformen (ambulant und stationär), Kassenfinanzierung, Ablauf von Erstgesprächen und vermitteln erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten vor Ort.

Sprechen Sie uns an, nutzen Sie unser Beratungsangebot!